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Susis Traum vom großen Glück

Susi war 45 Jahre alt, geschieden und eigentlich der Meinung, dass man als Frau in diesem Alter bei den Männern immer nur „zweite Wahl“ bekommen würde, weil die guten ja schon vergeben wären. Dass es auch bei den Männern einige gab, die durch Unglückfälle oder Krankheiten ihrer Frau beraubt worden waren, dieser Gedanke kam ihr erst gar nicht. Auch wollte sie nichts davon wissen, dass eine Lebensgemeinschaft zwischen zwei Menschen manchmal einfach nicht funktioniert, weil sich die Interessen ändern oder äußere Einflüsse dafür verantwortlich sind, ohne dass es dann für eine Trennung einen Schuldigen geben musste.

Auf der Flirtplattform hatte sie sich eigentlich nur deshalb angemeldet, weil sie auf der Suche nach neuen Freundinnen war, weil sie sich mit ihren bisherigen über das Thema Männer immer öfter ziemlich heftig stritt und keinen Spaß mehr an ihren sonst so lustigen Nachmittagen hatte. Sie hatte auch mit einigen netten Frauen Kontakt aufnehmen können. Ihre innere Sehnsucht nach einer erfüllenden Partnerschaft trieb sie aber auch immer wieder dazu, die Suchfunktion aufzurufen und nach Männern Ausschau zu halten. Überall hatte sie etwas auszusetzen und galt so langsam auch unter ihren neuen Bekanntschaften als notorische Männerhasserin.

Doch das sollte sich ändern. Es war ein Freitagabend, als Susi einmal wieder Ausschau hielt. Hoppla, da waren ja ein paar neue Herrenprofile dazu gekommen. Benno, Kraftfahrer – nöö, die hielt sie alle für Raubeine. Mike, Lehrer – nöö, der würde auch an ihr ständig etwas auszusetzen haben. Rico, Außendienstler – nöö, erst recht nicht, denn der wäre ja nie da, wenn sie ihn bräuchte. Achim, Bankangestellter – hm, das klang ja erst mal nicht schlecht. Also schnell mal sein Profil aufrufen und genauer nachschauen. Mensch, sieht der gut aus, dachte sich Susi, als sie förmlich in die blauen Augen seines Profilbildes hinein fiel.

Es dauerte eine Weile, ehe sich Susi wieder so weit gesammelt hatte, dass sie die Angaben in seinem Profil sichten konnte. Dort fand sich beim Familienstand die Angabe „verwitwet“. Susi beschloss, Achim anzuschreiben und tat dies auch sofort. Schon wenige Minuten später trafen sie sich in einem Direct Chat und Achim erzählte ihr, dass seine Frau bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war. Sie hatte viele Jahre als Stewardess gearbeitet. Anfangs war es eine gehörige Portion Mitleid, die Susi dazu brachte, sich weiter mit Achim zu schreiben, aber es dauerte nicht lange, bis sich eine tiefe Sympathie für den netten jungen Mann breit machte, der so schön schreiben konnte.